Christina war Leichtathletin mit Herz und Seele. Keine herausragend gute, aber dennoch konnte sie bei den Wettkämpfen im vorderen Bereich mitmischen und manche sahen großes Potenzial in ihr, das sie mit Fleiß und Disziplin durchaus weit nach vorne bringen konnte.
In der Realität erwies sich das aber häufig als gar nicht so einfach, da Christina eine sehr wankelmütige, launische und gleichzeitig impulsive Person war.
Saß ihr ein Gefühl grade quer, führte das mit Garantie zu einem Training, in dem nur gequengelt und gemeckert, aber nicht ordentlich trainiert wurde, oder zu unkonzentrierten und lustlosen Wettkämpfen.
„Ist doch eh egal“, wie sie dann oft lustlos und patzig bekundete und gelangweilt mit den Schultern zuckte.
Gerade gestern war so ein Wettkampf gewesen.
Ihr ging es morgens schon nicht gut, sie war müde, da sie am Abend zuvor viel zu spät ins Bett gekommen war und hatte absolut keine Lust den ganzen Tag in der Leichtathletikhalle zu verbringen, vor allem da ihr Trainer ohnehin nicht da sein würde und Wettkämpfe in Eigenverantwortung einfach nur nervig waren.
Sie trödelte, wärmte sich nicht ordentlich auf, kam zu spät zum Weitsprung, sodass sie keine Probesprünge mehr machen konnte und selbst der beste Sprung lag weit unter ihren Fähigkeiten.
Fazit des Tages: Scheißtag.
Wie verabredet schrieb sie am Abend ihrem Trainer Wolf eine SMS, berichtete aber nicht wirklich vom Wettkampftag.
„Ich bin eine Schnapszahl weit gesprungen – was krieg‘ ich dafür?“, tippte sie in ihr Handy. Kurze Zeit später seine Antwort: „Für 5,55m gehen wir ein Eis essen, ansonsten den Hintern voll.“
Für einen kurzen Moment hatte sie das Gefühl, als würde ihr Herz stehen bleiben und ein heftiges Kribbeln ging durch ihren Körper.
Das hatte er doch nicht wirklich geschrieben. Und definitiv meinte er das nicht so. Ein bisschen hatte sie ja auf so eine Antwort gehofft. Gleichzeitig überforderte es sie, schwarz auf weiß zu lesen, wovon sie manchmal heimlich träumte.
1 Comment
Helmut Lorenzen · 8. Februar 2024 at 15:10
Schöne Story
Habe nur das Problem:
Mit Hand auf Sporthose: das wird die junge Dame
Kaum beeindruckt haben.
Man hätte ein Maßband umfunktionieren können
oder vielleicht ist auf dem Sportplatz auch ein
Lederriemen aufzutreiben.
Das hätte wesentlich mehr Eindruck bewirkt.
Im übrigen hätte der Sportlehrer sodann zu einer
Nachbesprechung in seine Kabine bitten
sollen und dort hätte es dann eine Zusatzration
auf den Hintern gegeben.
Das nur als Anregung für weitere Geschichten